Swiss Chard Tasting dOCUMENTA (13) – eine Rückschau

Der Schweizer Künstler Christian Philipp Müller war Gastgeber des Swiss Chard Tasting in der Karlsaue. Zwischen Küchengraben, an welchem sich die dOCUMENTA-Arbeit des Künstlers, die Swiss Chard Ferry befindet und Kunsthochschule, Arbeitsplatz von Christian Philipp Müller, dort Rektor seit 2011, fanden sich in freudiger Erwartung an einem Nachmittag im August eine neugierige Schar von etwa 150 Besucher ein, um 10 Mangoldgerichte und 60 verschiedene Mangoldsorten zu probieren. Die Wiese vor der Kunsthochschule, auf der sich normalerweise Studenten zum Essen in der Uni Kantine treffen, wurde zum großen Outdoor- Restaurant.

Gekocht wurde nach einer bunten Rezeptmischung von Köchen aus der Region, Fusion Food mit Einflüssen aus dem Nahen Osten, aus Kochbüchern wohl geschätzter Köche (Ottolenghi), toskanisch, türkisch, spanisch von Mit- und Zuarbeitern der dOCUMENTA (13) und – das muss erwähnt werden – einer interessanten Auswahl Schweizer Hausmannskost, auch aus dem persönlichen Umfeld des Künstlers. Allen voran die Krautstiele in Mehlschwitze aus dem Kriegsbuch der Mutter von Christian Philipp Müller schmeckten großartig: Samtig und süßlich, die Capuns, Mangoldwickel aus dem Bündnerland lockten mit einer nicht alltäglichen körnigen Füllung mit Salsiz und Bündner Fleisch. Außerdem gab es Mangold in Verbindung mit unterschiedlichsten Teigvarianten. Ravioli, Quiche, Calzone und geschmacklich abwechslungsreiche Kombinationen von süß-sauer in Verbindung mit Hülsenfrüchten wie Kichererbsen oder Berglinsen.

Mangold wurde von Samenzüchtern im 19. Jahrhundert als „Swiss Chard“ bezeichnet als Unterscheidung zum „French Spinach“. Die Vielfalt der Rezepte macht deutlich, wie weit verbreitet Mangold in der ganzen Welt ist. Das hat, wie Prof. Finckh in einem kurzen wissenschaftlichen Exkurs ergänzte, mit der guten Anpassungsfähigkeit an unterschiedliche klimatische Bedingungen zu tun. So wird Mangold in der ganzen Welt gezüchtet, gepflanzt, geerntet und gegessen. Wir Gäste kamen an diesem Nachmittag in den Genuss, über 30 Sorten Mangold nach Geschmack, Farbe, Konsistenz zu testen und eine einzelnen Gemüsesorte in ihrer ganzen Vielfalt zu erfahren. Zu danken ist dabei auch den Agrarstudenten des Uni Kassel-Ablegers in Witzenhausen, die Samen aus aller Welt bestellt und den Mangold für die Kunstaktion angebaut hatten. Auch das Timing passte: Mit Ruhe alle Gerichte und Mangoldsorten durchprobiert, zufrieden mit gefülltem Bauch und zahlreichen geschmacklichen und visuellen Eindrücken versorgt, kam es zu einem zügigen Abschluss des Food-Events durch einen sich schon vorher angekündigten, aber verständnisvoll abwartenden Regenschauers, der die Gäste des Mangold-Tastiongs dann schnell vertrieb.

Danke für diesen schönen Nachmittag!

Claudia Tobisch

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